19. Mai 1944

Am 19. Mai 1944 wurden 245 Sinti und Roma aus dem Lager Westerbork in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Eine von ihnen war Settela Steinbach, weltberühmt durch das Foto, das an jenem Tag von ihr in der Waggonöffnung in Westerbork gemacht wurde. Settela wurde 1934 in Borne geboren. Während des Zweiten Weltkrieges wohnte sie mit ihren neun Geschwistern in einem Wohnwagenlager in der Nähe von Eindhoven. Am 16. Mai 1944 kam Settela ins Lager Westerbork, in die Baracke 69. Drei Tage später wurde sie abtransportiert.


Dieser Transport wurde von dem Lagerinsassen Rudolf Breslauer auf Film festgehalten, auch der Moment kurz bevor die Tür einer der Waggons geschlossen wurde. Eine Frau, die im selben Waggon wie Settela saß, erzählt von diesem Augenblick, von “dem Mädchen zwischen den Wagontüren”: ‘Ich war mit dem Mädchen im Waggon. Ich saß hinter ihr auf dem Boden und sie stand vorne bei der Tür. Ihre Mutter rief noch, dass sie dort weggehen solle. Denn wir hörten, dass draußen die Türen verriegelt wurden. ‘Geh nun endlich dort weg’, rief die Mutter, ‘sonst gerät dein Kopf noch dazwischen!’ Ich glaube, sie schaute nach einem Hund, der draußen herumlief. Ihre Mutter hat sie schließlich im letzten Moment von der Tür weggezerrt.’
Am 22. Mai 1944 kamen die deportierten Sinti und Roma in Auschwitz-Birkenau an. Sie wurden in einem speziell errichteten “Zigeunerlager” untergebracht, einem Abschnitt von Birkenau, in dem zu jener Zeit mehr als 22.000 Sinti und Roma gefangen gehalten wurden. Ende Juli 1944 wurde das “Zigeunerlager” aufgelöst. Diejenigen der Sinti und Roma, die noch arbeiten konnten, wurden in andere Lager transportiert. Die Zurückbleibenden wurden ermordet.
Von den 245 aus dem Lager Westerbork abtransportierten Sinti und Roma überlebten lediglich 30 den Krieg.
Settela Steinbach wurde am 3. August 1944 in den Gaskammern von Auschwitz-Birkenau ermordet.